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Die Geschichte des Fechtens
Die Mode in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
Historie der Stadt Rastatt
Historie des Landkreises Rastatt


Die Geschichte des Fechtens

Die Ursprünge der Fechtkunst liegen im Dunkel der Geschichte. Wir können wohl davon ausgehen, dass jede Kultur die das Schwert kannte eine Fechtkunst damit entwickelte. Ganz sicher verfügten die Griechen und Römer über entsprechende Kampfkünste.

Je nach Verwendungszweck wurden unterschiedliche Waffenformen entwickelt und entsprechende Künste in deren Verwendung ausgebildet. So wurde in einer Zeit in der schwere Rüstungen getragen wurden Waffen entwickelt, die diese durchdringen oder durch entsprechende Kunstfertigkeit umgehen konnten. In einer Zeit, in der aufgrund der hohen Waffenentwicklung das Tragen schwerer Rüstungen eher hinderlich war wurden leichtere und schnellere Klingen verwendet und auch die Kampfkunst angepasst.

Die europäische Fechtkunst scheint erst mit dem Beginn der Kreuzzüge Gestalt anzunehmen. Ältere Schwerter weisen keine oder nur sehr kurze Parierstangen zum Faustschutz beim Parieren auf. Man kann wohl davon ausgehen, dass das Schwert vor allem zum Schlagen und weniger zum Parieren genutzt wurde. Bis zum 13. Jahrhundert wurde vor allem mit relativ kurzen Klingen und zusätzlichem Schild gefochten. Die häufig abgerundeten Spitzen lassen darauf schließen, dass vor allem Wert auf den Hieb und weniger auf den Stich gelegt wurde. Im weiteren Verlauf des 13. Jahunderts wurden die Klingen der Reiterschwerter länger um eine größere Reichweite vom Pferd zu erreichen und auch das Klingenende lief nun immer häufiger spitz zu.

Durch die zunehmende Verbreitung der Armbrust, die Entdeckung des Schwarzpulvers und der Entwicklung der ersten tragbaren Schusswaffen, wurden die Rüstungen der Reiterei verstärkt und mit Platten versehen. Die Reaktion der Waffenentwickler war unter anderem die Fertigung von Schwerter mit langen schweren Klingen und längerem Griff: der Anderthalbhänder. Dieses Schwert ermöglichte durch den langen Griff eine zu Hilfenahme der zweiten Hand um den Schlag mehr Wucht zu verleihen und so die Panzerung zu durchdringen. Ebenso war es durch seine Länge gut vom Pferd zu führen und auch für Fußknechte von hohem Wert. Aus einer Weiterentwicklung des Anderthalbhänders dessen Klinge in einer Spitze zum Stechen endete, entstanden sogenannte Bohrschwerter. Diese stumpfen, zum Teil drei oder vierseitige Klingen, besaßen sehr harte Spitzen zum durchstoßen der Panzerung. Neben der weiteren Entwicklung von speziellen Kriegswaffen, wie dem gewaltigen Bidenhänder, entstanden zum Beginn des 14. Jahrhunderts auch zivile Hauswehren, derer sich in Städten Adelige und Bürger, auf dem Land Bauern bedienten. Diese waren in der Regel kurz, für den Nahkampf und leicht um schneller und nicht unbequem zu werden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Dussack, eine Böhmische Bauernwaffe, die speziell für die späteren Fechtschulen von hohem Wert war. Seit 1350 halten Fechtmeister unter dem Namen "gladiatores" in deutschen Städten Fechtschulen ab. Durch die allgemeine Verbreitung des Anderthalbhänders im 14. Jahrhundert und dem damit wegfallenden Schild wird eine höhere Fechtkunst notwendig um den Schild zu ersetzen.

Im 15. Jahrhundert entstanden nun auch eine ganze Reihe von Fechtbüchern, die vor allem die Deutsche Schule beschreiben. Die Deutsche Schule arbeitet sowohl mit dem Hieb, einer Kombination aus Hau und Schnitt, als auch mit dem S toß oder Stich. Es gibt acht primäre Hieb- und Stich-Zonen und entsprechende Paraden. Prägende Fechtmeister, die uns durch ihre Fechtbücher einen Einblick in die damalige Fechtkunst gewähren, waren u.a. Hans Talhoffer , Sigmund Ringeck und Andre Pauernfeindt. Als Waffe wird hauptsächlich der Anderthalbhänder genutzt und die dazugehörige Kampfkunst lässt sich durchaus mit dem noch heute geübten Kenjutsu des Karori- und Kashima- Schreines vergleichen. Als besondere Trainingswaffe wird der Holzdussack benutz, um ein besseres Gefühl für den Schnitt und eine schnelle Reaktionsfähigkeit zu erreichen. Im 16 Jahrhundert entstand in Italien als zivile Form der Selbstverteidigung das Degenfechten zunächst noch stark beeinflusst von der Deutschen Schule aber dann sich immer mehr zum reinen Stoßfechten entwickelnde Kampkunstform.

1568 erschien das Fechtbuch Camillo Agrippas "Trattato di Scienza d'Arme", der als Begründer des Stoßfechtens gilt. Im militärischen Bereich blieb jedoch das Hieb und Stoß Fechten als in seinen Grundzügen leichter erlernbare und gegen Rüstungsträger effektivere System bis ins 19.Jhd. bestehen. In Deutschland versuchte man auch im zivilen Bereich an der althergebrachten Deutschen Schule festzuhalten, jedoch musste man bald deren Unterlegenheit gegenüber der schnelleren Methode der Italiener einsehen. 1570 schrieb Jochim Meyer sein Fechtbuch "Gründtliche Beschreibung der [...] kunst des Fechtens [...]", dass schon stark von der Italienischen Schule beeinflusst war. Neben der Italienischen Schule kam nun auch verstärkt die Spanische und Französische Schule auf, die sich zum Beginn des 16.Jahrhunderts nur geringfügig unterschieden.

Die Deutsche Schule wird von vielen Fechtschulen in Form des Bidenhänderfechtens als Übung fortgeführt verliert sich dann jedoch im 17. Jahrhundert. Inzwischen wurde die Italienische Schule von der Französischen verdrängt, die mit dem Florett einem kürzeren und schnelleren Degen ficht und aus der das moderne Sportfechten hervor ging. Lediglich die Fechterdynastie der Kreußler, die ihre Variation der Italienischen Schule focht, konnte dem starken Einfluss der französischen Schule widerstehen. Die Kreußlers wirkten von 1597 bis 1819 als Universitätsfechtmeister in Jena, Leipzig, Wittenberg und Gießen.

Vom 14 bis 17 Jahrhundert war das Fechten in Deutschland für das erstarkende Bürgertum der Städte von großer Bedeutung . Fechtmeister reisten umher und unterrichteten in öffentlichen Schulen. In Frankfurt am Main erhält 1487 die Fechtergilde "Bruderschaft von St. Markus vom Löwenberge", kurz Marxbrüder genannt, von Kaiser Friedrich dem III ein besonderes Privileg. Fortan durften sich die Fechtmeister der Marxbrüder "Meister vom langen Schwert" nennen und als einzige das Fechten unterrichten. Dies war eine wichtige Entscheidung um die Konkurrenz der freien Fechter kleinzuhalten. 1570 gründeten Fechter in Prag eine neue Gesellschaft, die "Federfechter", die dann 1575 auch in Frankfurt am Main gegen den Protest der Marxbrüder vom Rat der Stadt zugelassen wurden. 1607 erhielten die Federfechter die selben Rechte wie die Marxbrüder.

Die Waffen
Schwert
Helmbarte(Hellebarde)
Degen / Rapier
Schwert Helmbarte(Hellebarde) Degen / Rapier
  1. Knauf
  2. Griff
  3. Parierstange
  4. Hohlkehle
  5. Schneide
  6. Spitze (Ort)
  1. Stoßspitze
  2. Beilblatt
  3. Reißhaken
  4. Tülle
  5. Quaste
  6. Schaft
  1. Vernietung
  2. Knauf
  3. Griffbügel
  4. Griff
  5. Parierstange
  6. Terzbügel
  7. Ricasso(Fehlschärfe)
  8. Hohlkehle
  9. Schneide
Waffen der Deutsche Schule:14.-16.Jahrhundert
  • Anderthalbhänder
    (auch Bastardschwert genannt) Der Anderthalbhänder ist durch die zunehmende Verstärkung der Rüstungen im 14.Jhd. entstanden. Der längere Griff ermöglicht eine zu Hilfenahme der zweiten Hand um so mehr Kraft auszuüben, der Ort lief spitz zu um in die Lücken zwischen den Panzerplatten zu stechen. Ein übliches Bastardschwert wiegt ca. 1,5-2 kg und ist zwischen 1,10m und 1,30m lang. Diese Form des Schwertes hatte durch den Wegfall des Schildes eine Steigerung der Fechtkunst zur Folge.

  • Bidenhänder
    (Zweihänder) Der Bidenhänder ist eine typische Landsknechtwaffe, die speziell gegen die Spieße der Gewalthaufen benutzt wurde. Schon im 14. Jhd. sind Bidenhänder bekannt jedoch ohne zusätzliche Parierhaken, die erst im 16. Jhd. erscheinen. Ein durchschnittlicher Bidenhänder wiegt zwischen 2,8 und 5kg und ist zwischen 1,50 und 1,80m lang. Trotz seiner Ausmaße lässt sich mit dem Bidenänder hervorragend fechten. Die oft mit Leder umwickelte Fehlschärfe ermöglicht einen günstigen Hebel um im Nahkampf zu agieren. Die Parierhaken vor der Fehlschärfe bilden eine zweite Parierstange und schützen so die Hand an der Fehlschärfe. Gegen Spieße und andere Stangenwaffen fasst man den Bidenhänder komplett am Griff. Zudem ermöglichen die Parierhaken spezielle Manöver mit den ein geübter Fechter einen Spießwall durchdringen kann. Bei den Landsknechten wurden Bidenhänderkämpfer, die ein Zeugnis eines Meisters vom langen Schwert vorweisen konnten, mit doppelten Sold als Trabanten(Leibwächter) für hohe Persönlichkeiten oder die Fahne geworben

  • Katzbalger
    Der Katzbalger ist eine weitere typische Landsknechtwaffe. Mit einer Länge von 75 bis 85 cm und einem Gewicht von 1-2 kg wurde der Katzbalger für den Nahkampf benutzt. Er war oft als zweite Waffe bei den Pikenieren zu finden. Er wurde zumeist vor dem Bauch oder am Rücken getragen. Der charakteristischste Teil der Waffe ist die aus zwei Spangen bestehende Parierstange in Form eines liegenden S.

  • Stangenwaffen
    Stangenwaffen gibt es in einer fast unüberschaubaren Formenvielfalt. Sie sind mit ihren längsten Vertretern den Spießen der Landsknechte der Untergang der Ritter gewesen. Auch als Waffe gegen die bis zu 6m langen Spieße wurden kürzere - 2,30m bis 3m lange - Stangenwaffen wie Helmbarten und Gleven eingesetzt ähnlich wie die Bidenhänder. Einige wurden häufig, auch nachdem sie ihre Funktion als Kriegswaffe bereits verloren hatten, als Waffe von Trabanten und Ehrenwachen an verschiedenen Fürstenhöfen eingesetzt.

  • Hiebmesser
    Das Hiebmesser oder auch großes Messer genannt, war als zivile Waffe besonders bei den Bürgern der Städte im 15.-16. Jahrhundert beliebt. Da das tragen von Messern (einseitig geschliffene Klinge) jedem freien Mann gestattet war, ist es nur natürlich das diese Waffenform immer größer wurde. Vom Dussack zum anderthalbhändig geführten Hiebmesser war es nur noch ein kleiner Schritt. Als diese Waffe immer beliebter und mehr in Mode kam trugen auch immer mehr Adelige Hiebmesser. Eine weitere Verfeinerung entstand durch den "Schweizer Säbel", der einen Korb zum Schutz der Hand erhielt.

  • Dussack
    Der Dussack ist eine einhändig zu führende böhmische Bauernwaffe, die gerade für die zivile Verteidigung und als Hilfsmittel in Fechtschulen starke Verbreitung fand. In Fechtschulen wurden Holzdussäcke benutzt um, unter anderem, das richtige Gefühl für Schnitt und Hau zu erreichen. Während der Holzdussack ziemlich genau in seiner Form definiert ist, wird der Begriff Dussack häufig allgemein für einseitig geschliffene Waffen mit gekrümmter Klinge von bis zu 1m Länge verwandt.

  • Dolch
    Eine der ältesten Waffenformen die sich bis in unsere heutige Zeit erhalten hat. Der Dolch wird als zweite Waffe oder auch als Einzelwaffe benutzt. Reine Dolchgefechte sind blitzschnell und sehr Körperbetont.

  • Buckler
    Der Buckler oder auch Faustschild genannt, ist eigentlich eine Defensivwaffe die jedoch nicht nur zum blocken und fangen der gegnerischen Klinge gedacht war. Auch offensiv als Schlagwaffe, sowohl mit der Fläche als auch mit der Kante, kann er genutzt werden.

Waffen der Italienischen Schule:16.-17.Jahrhundert
  • Degen
    Der Degen ist eine Weiterentwicklung des Schwertes. Er hat sich aus dem Stichschwert(wie den Anderthalbhänder) entwickelt. Da Rüstungen sich im Verlauf des 16. Jahrhunderts als unpraktisch und gegen moderne Feuerwaffen unwirksam erwiesen, wurden sie, bis auf wenige Ausnahmen wie den verstärkten Kürass, abgelegt. Die Klingen der Schwerter konnten so leichter und schneller werden. In Italien wurde als logische Konsequenz das schnelle Stoßfechten erfunden. Eine genaue Unterscheidung zwischen Schwert, Rapier und Degen wurde in der Sprache der damaligen Zeit nicht getroffen. So wurde eine Waffe, die bis zu diesem Zeitpunkt als Schwert bezeichnet wurde, plötzlich Degen genannt, da dieser Ausdruck einfach modern war. Dennoch kann man eine grobe Kategorisierung vornehmen. Schmale Klingenwaffen mit Korb bezeichnen wir als Degen. Unter einem Rapier versteht man im allgemeinen einen leichten Degen mit besonders schmaler Klinge. Rapiere wurden vor allem vom Adel zu Duellen benutzt. Allerdings gab es auch umgebaute Anderthalbhänder, die mit einem Korb versehen und von Ihren Besitzer stolz Degen genannt wurden. Die übliche Länge eines Degens liegt zwischen 1,10-1,30m, die Klingenbreite zwischen 15-30mm und das Gewicht zwischen 1-1,5kg.

  • Linkhand
    Die Linkhand wird bei der italienischen Schule oft als zweite Waffe neben dem Degen genutzt. Oft wird er auch als "Degenbrecher" bezeichnet. Der Name ist etwas irreführen, besser wäre Degenhalter, denn zum brechen kann nicht genug Kraft aufgebracht werden. Es ist strategisch auch viel sinnvoller den Degen festzuhalten und so die ganze Waffe zu kontrollieren. Eine ähnliche Funktion hat auch die bei vielen Linkhanddolchen nach oben gebogene Parierstange.

  • Mantel
    Der Mantel als Ersatz für einen Schild wurde schon früh von der Italienischen Schule eingesetzt. Der umwickelte linke Arm bietet einen relativ guten Schutz. Der Mantel wurde aber auch zum binden der gegnerischen Klinge oder als Ablenkung und Sichtbehinderung genutzt.

  • Laternenschild/Armschild
    Der Laternenschild ist eine ganz spezielle italienische Erfindung, die besonders bei nächtlichen Überfällen benutz wurde. Im Schild ist eine Laterne integriert, die über einen Klappmechanismus verdunkelt werden kann. Beim Überfall im Dunkel der Nacht kann die Klappe geöffnet werden und der Gegner wird geblendet. Am Schild sind zusätzliche Klingen und ein Panzerhandschuh befestigt, um ihn noch effektiver einsetzen zu können.

Text und Bilder ausgeliehen von www.bundtschuh.de
Die Waffengurte
Man unterscheidet zwischen vier Arten von Waffengurten.
  1. Spanischer Waffengurt
  2. Deutscher Waffengurt
  3. Französischer Waffengurt
  4. Italienischer Waffengurt
Spanischer Waffengurt Deutscher Waffengurt Französischer Waffengurt Italienischer Waffengurt
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Die Mode in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts

Begriff: "Mode"

Das Wort Mode, im Sinne des heutigen Sprachgebrauches, kam in Deutschland im ersten drittel des 17. Jahrhunderts erstmals auf. Man spottete zunächst über die Mode und alle, die sich nach ihr richteten, aus Angst vor fremden Einfluss auf Sitten Gebräuche.

Kleiderordnungen, wie es sie bereits im 16. Jahrhundert gegeben hatte, wurden im 17. Jahrhundert gang und gäbe. Man wollte damit die Ständeordnung aufrechterhalten und der Mode entgegenwirken. Jeder Klasse wurden Stoffe und Aufmachung, wie Pelzwerk, Spitzen und Schmuck, strengstens vorgeschrieben. Was allerdings nicht immer den erhofften Erfolg erzielte.

Obwohl die spanische Monarchie binnen weniger als einem Jahrhundert auf Grund Innen- wie auch Außenpolitischer Niederlagen und verkehrter Maßnahmen vom Rang einer Weltmacht zum handlungsunfähigen Spielball der Konkurrenten geworden war, beherrschte es durch die Mode und Anschauungen noch immer die gesellschaftliche Kultur. So blieb die spanische Tracht 1600 - 1620 und in Spanien und allen davon abhängigen Staaten das ganze 17. Jahrhundert über vollständig erhalten und lebte auch später noch in Elementen fort (bspw. die große Krause, die in den deutschen Reichsstädten das ganze 18. Jahrhundert hindurch bestand).

Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges jedoch begann sich die Mode aus rein praktischen Gründen zu verändern. Die bisherige von Steifheit und Bewegungslosigkeit geprägte spanische Mode war für die Soldaten, die nun bis zu jahrzehnte lang im Krieg waren, schlicht und einfach unpraktisch. Daher veränderte sich nun zuerst die Mode der Männer und später auch die der Frauen.

Die Mode der Herren

Die Mode der Männer wurde nun wieder weiter und hängender. Die Beinkleider wurden sehr weit und unter dem Knie zusammengebunden. Die dazu verwendeten Bänger waren wie schmale Schärpen, deren Spitzenbesetzte Enden lang hinabhingen. Bei Zeiten ließ man die Außennähte offen, wobei man das Beinkleid in diesem Fall mit einer Bandrosette abschloss.

Die Mode der Herren Die Mode der Herren

Wams und Koller stellten die Oberbekleidung dar. Letzteres wurde ärmellos oder nur mit hängenden Zierärmeln über das Wams gezogen. Oftmals bestand der Koller aus Leder (zum Schutz der Soldaten). Die Schöße, Verlängerungen von Wams und Koller über die Taille hinaus, wurden mit kleinen Schleifen, welche in Metallnadeln endeten, angebunden. Sie bestanden aus einzelnen, nach unten breiter werdenden und sich überlappenden Flügeln, die den Unterleib schützen sollten. Allmählich gab das Wams die Ärmel an das nun mit dem Schoß aus einem Stück geschnittenen und somit die Form des Rockes beibehaltendes Koller ab. Dadurch entstand der schon vormals von Bauern getragene Ärmelrock.

Passend zu den Beinkleidern wurden nun Schaftstiefel getragen. Zuerst wurde dieser bis zum Knie hinaufgezogen, später formte man, ihn bis zur Wade hinunterschiebend, die Stulpe. Der dadurch entstandene Trichter wurde mit losen Gamaschen von Linnen oder Batist oder mit Spitzen ausgefüllt. Meist wurde dieser Schuh vorne mit Spitzenrosetten besetzt. Zum niederen Schuh wurden farbige Seidenstrümpfe getragen.

Die Mode der Herren Die Mode der Herren

Die steife und daher unbequeme Kröse wurde schon früh ihrer Hinderlichkeit wegen Änderungen unterworfen. Man ließ nun ihr dickes Gefältel weich abfallen und steifte sie nicht mehr. Von Anderen wurde sie gänzlich beiseite gelassen; jene trugen nun einen schmalen, über den Kragen des Wamses fallenden Leinenkragen. Wieder Andere beschränkten sich auf den flach gesteiften, niedrigen, ursprünglich nur als Unterlage getragenen Kragen. Die Spanische Variante, die sogenannte Golilla, wurde sogar wegen des vorangegangenen Verbots von Spitzen Vorschrift in Spanien. Der breite und weiche Spitzenkragen begann ebenfalls sich einzubürgern und verdrängte nach und nach alle anderen Formen.

Mit der Veränderung des Kragens ging auch ein Wandel der Frisuren einher. Ohne die hochstehende Kröse konnten die Männer ihr Haar nun wieder lang tragen. Mal in Form von wilden, ungekämmten Strähnen, mal als sich ringelnde, schön gepflegte Locken, auf der rechten Seite nur bis übers Ohr, auf der linken hingegen lang bis auf die Schultern fallend. Man flocht das Haar zu einem Zopf, oder band es zusammen. Jene Frisur nannte man Cadenettes; benannt nach dem Mann, der sich als erster bunte Schleifen und Juwelen (die sogenannten Faveurs) ins Haar geflochten haben soll. Mit den Spitzenkragen kamen ebenfalls die Perücken auf, da wieder auf die Fülle des Haares Wert gelegt wurde.

Passend zu den neuen Frisuren gab es dann auch neue Hüte, in Form von halbweichen, breitkrempigen Filzhüten, die mit wallenden Federn geschmückt wurden. Da diese Art Hut je nach dem, wie man ihn trug - mit hinauf- oder herabschlagender Krempe, schräg oder ins Gesicht gezogen - die Stimmung des Trägers vermittelte, nannte man ihn Respondent.

Die Mode, die zwischen 1635 und 1660 getragen wurden, lassen sich an Unzweckmäßigkeit kaum überbieten. Koller und Wams wurden zu etwas rockähnlichem vereinigt, die Ärmel nicht mehr aufgeschlitzt und die Schöße blieben ganz. Man ging noch weiter und kürzte die Ärmel etwa um die Hälfte, das Gewand wurde vorne nicht mehr geschlossen selbst im Ganzen kürzer. Dies hatte zur Folge, dass die Hemden immer wichtiger wurden. Sie wurden nun reich mit Zwischensätzen, Kragen und Manschetten ausgestattet. Überall wurden zusätzlich ab Mitte der dreißiger Jahre Bänder angebracht - an den Beinkleidern, um die Taille und an den Jäckchen. Bis 1650 wurde auch extrem viel und teurer Schmuck getragen: Armbänder, Ohrringe, Kolliers, Ringe, Ketten und Hutschnüre.

Die Mode der Damen

Wie bereits erwähnt, trugen die Damen das spanische Kostüm, bestehend aus dem sehr steifen Mieder, der riesigen Mühlsteinkröse und dem steifen, faltenlosen Rock, noch, als sich die Herren bereits von der spanischen Mode gelöst hatten. Doch auch hier war der Fortschritt nicht aufzuhalten, und bald schon trat die erste große Veränderung der Damentoilette ein: Das Fortfallen des Reifrocks. Die Oberröcke fielen nun gefälliger, sodass der Umriss der Figur wieder etwas menschenähnliches erhielt. Dennoch dürfte sich die Mode nicht auf einmal zu drastisch verändern, da die Menschen zu sehr an die alten Formen gewöhnt waren. So half man sich mit Übergangslösungen, wie etwa dem Hüftpolster oder dem ringsum hochnehmen und um die Taille festhaken des Oberrocks. Wurde der Rock nicht hochgesteckt, war er vorne offen, um das Unterkleid zur Geltung zu bringen.

Die Mode der Damen Die Mode der Damen

Unterröcke wurden damals auch mehrere (in Spanien im Winter zwölf und mehr), meist verschiedenfarbige, übereinander getragen. Bei wohlhabenderen Damen waren sie wohl auch aus Atlas und Taft, bei weniger Begüterten wenigstens mit Spitzen oder Goldtressen besetzt. Der Unterste, "la secrète" genannt war stets aus Leinen.

Das spanische Oberteil, seines Zeichens ein eng geschnürtes, spitz zulaufende Leibchen, blieb erhalten, verlor jedoch vielfach seine Steife Form und schloss rund in der Taille ab. Der Halsausschnitt, der gerade zu Anfang noch von einem Batist- oder Spitzenkragen verdeckt wurde, wurde viereckig und sehr tief geschnitten.

Was den Kragen betrifft, so konnte sich die Kröse in der Damenmode bis in die 60er Jahre des 17. Jahrhunderts halten. Allerdings begann sie nun abenteuerliche Dimensionen anzunehmen. Der Medicikragen, der rückwärts hochgestellte Spitzenkragen, blieb noch bis in die dreißiger Jahre, wurde dann aber heruntergelegt, um den Ausschnitt zu umgeben oder zu bedecken. Von beiderlei Geschlecht wurde auch der Spitzenkragen getragen.

Die Mode der Damen Die Mode der Damen

Die Ärmel wurden weiter und am Ellenbogen oder Handgelenk mit Schleifen abgebunden. Das Haar wurde in der Mitte gescheitelt und viel in langen locken herab oder geflochten und zu einem Nest zusammengesteckt. Zu dieser Zeit kamen auch, gerade bei den Damen, Schönheitspflästerchen auf, die als Blickfang dienten.

Um 1640 hatte sich der Wandel in der Damenmode vollständig vollzogen. In den Farben dominierte immer mehr Schwarz und gebrochenen Farben, wie blassblau, halbgrün... Zu Anfang waren es noch zehn bis zwölf verschiedenen Farben, später wurden es immer weniger.

von Ruth Nientiedt

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Historie der Stadt Rastatt

Rastatt ist eine Stadt im Westen Baden-Württembergs, etwa 22 km südwestlich von Karlsruhe und ca. 12 km nördlich von Baden-Baden. Sie ist die Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises Rastatt und bildet ein Mittelzentrum im Bereich des Oberzentrums Karlsruhe. Sie liegt in der 30 km breiten Oberrheinischen Tiefebene, die im Osten vom Schwarzwald und im Westen auf der anderen Seite des Rheins von den französischen Vogesen begrenzt wird. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd Richtung 6,7 km und in Ost-West-Richtung 7,9 km. Der höchste Punkt im Stadtgebiet misst 130,0 m, der tiefste Punkt 110,5 m ü. N.N..

Rastatt wurde um 1084 als "Rasteten" in einer Handschrift des Klosters Hirsau erstmals urkundlich erwähnt. Am 16. Oktober 1404 wurde der Ort von König Ruprecht zum Marktflecken erhoben.Am 24. August 1689 wurde Rastatt durch die Franzosen fast vollständig vernichtet. Doch wurde die Siedlung alsbald wieder aufgebaut und 1697-99 wurde ein Jagdschloss errichtet. Um 1700 erhielt Rastatt dann die Stadtrechte, kurz bevor Markgraf Ludwig Wilhelm 1705 seine Residenz von Baden-Baden nach Rastatt verlegte. Inzwischen war das Jagdschloss teilweise wieder abgebrochen bzw. umgebaut und durch einen neuen Hauptbau ersetzt worden. Ab 1708 wurde der so genannte Sibyllenbau errichtet.

Im Rastatter Friede wurde 1714 der Spanische Erbfolgekrieg beendet. Aus Dank für den Frieden liess die Markgräfin Franziska Sibylla Augusta 1715 von ihrem Hofbaumeister Johann Michael Ludwig Rohrer einen Nachbau der Einsiedelner Kapelle von Einsiedeln in Rastatt errichten. Die Schlossanlage Rastatt wurde weiter ausgebaut (u.a. entstand ab 1721 die Schloss-, Hof- und Garnisonskirche). Bis 1771 blieb Rastatt Residenz der Markgrafen von Baden-Baden. Dann kam das Territorium durch Erbschaft in den Besitz der in Karlsruhe residierenden Markgrafen von Baden-Durlach. Doch blieb Rastatt lange Zeit noch eine badische Garnisonsstadt. Beinahe wäre Rastatt 1776 Universitätsstadt geworden, doch aus Geldmangel wurden die Pläne der Rastatter Universität verworfen.

Rastatt war auch nach dem Übergang an Baden-Durlach Sitz eines Amtes bzw. Oberamtes/Bezirksamtes das zum Murgkreis gehörte, dessen Sitz sich ebenfalls in Rastatt befand. Ab 1832 gehörte das Bezirksamt Rastatt zum Mittelrheinkreis, dessen Sitz sich bis 1847 ebenfalls in Rastatt befand. 1863 kam das Bezirksamt Rastatt zum Kreis Baden-Baden, der erst 1939 aufgelöst wurde. Seither ist Rastatt Sitz des damals gegründeten gleichnamigen Landkreises, der bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 seine heutige Ausdehnung erreichte.

Rastatt gehörte anfangs zum Bistum Speyer und war dem Archidiakonat Stift St. German und Moritz in Speyer unterstellt. Im 16. Jahrhundert konnte die Reformation vorübergehend Einfluss nehmen. Auch unter baden-durlachischer Verwaltung 1594 bis 1622 war der Protestantismus gegenwärtig, doch blieb der Ort überwiegend katholisch. Die Pfarrgemeinde der späteren Stadt gehörte zunächst noch zu Bistum Speyer, ab 1810 zum Landkapitel Kuppenheim und dann zum Generalvikariat Bruchsal bevor sie 1821/27 Teil des neu gegründeten Erzbistums Freiburg wurde.

www.kreisgebiet-rastatt.de

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Historie des Landkreises Rastatt

Wer in die Historie des Landkreises Rastatt eintauchen will, muss auf der Zeitskala weit, weit zurückgehen. Bereits in der ausgehenden Altsteinzeit (bis etwa 8000 v. Chr.) wurden in der Vorbergzone Zeugnisse menschlicher Präsenz gefunden. In der sogenannten jüngeren Steinzeit (etwa 8000 bis 5500 v. Chr.) nimmt die Besiedelung vor allem in der fisch- und wildreichen Kinzig-Murgrinne zu. Erst im frühen Mittelalter werden das im Grunde siedlungsfeindliche Rheinauengebiet und im hohen Mittelalter die Schwarzwaldtäler besiedelt. Natürlich finden sich auch römische Reste. Rund 80 Münzen aus römischer Zeit wurden hier gefunden, aber auch römische Kunstwerke, Reliefs, Statuen und Statuetten haben sich erhalten.

Nachdem die Römer abgezogen waren, schien die Region zunächst einmal verödet zu sein. Erst mit Spuren aus der Merowingerzeit (etwa 450 bis 750 n. Chr.) kommt wieder "Leben" in das Gebiet des Landkreises Rastatt. So fanden sich Gräber in Sinzheim, Bietigheim, Hügelsheim oder in Rastatt-Plittersdorf.

Ab etwa dem Jahr 1100 bilden sich lokale Herrschaften heraus. Im nördlichen Kreisgebiet und vor allem im Murgtal entsteht die Grafschaft Eberstein, deren Territorium allerdings schon im 13. Jahrhundert an die mehr und mehr dominierenden Markgrafen von Baden abgegeben wird. Die Stadt Gernsbach im Murgtal machten die Ebersteiner zu ihrem Hauptort und fassten so den Rahmen für eine Urbanisierung des Ortes. Nach dem Aussterben des Geschlechtes im 17. Jahrhundert erinnern heute nur noch übrig gebliebene Ortsnamen wie Haueneberstein oder Ebersteinburg an die lange Jahre währende Präsenz der Grafen.

Nach dem Zusammenbruch der staufischen Herrschaft im 13. Jahrhundert nimmt die Geschichte der Badischen Markgrafen ihren Anfang. Zunächst entstand ein kleines Territorium um Baden-Baden und Pforzheim. Der ursprüngliche Besitz im Neckarraum ging zwar nach und nach verloren, aber gerade auch am Oberrhein konnten die badischen Markgrafen ihre Herrschaft festigen.

Die Übernahme von Teilen der Herrschaft Eberstein (1283, 1387), von Stollhofen (1309) und der Erhalt der Vogtei über die Klöster Frauenalb (1387) und Schwarzach (1422) sind Meilensteine des Aufstiegs der Markgrafen in unserer Region. 1503 wurde unter Markgraf Christoph I. die untere Markgrafschaft (Baden-Baden, Pforzheim) mit der oberen Markgrafschaft (Sausenberg, Rötteln, Badenweiler) vereinigt.

Diese Erfolgsstory währt nicht lange, denn bereits wenige Jahrzehnte kommt es wiederum zur Teilung in eine evangelische Linie in Durlach und einer katholischen in Baden-Baden/Rastatt. 1700 wird Rastatt durch Markgraf Ludwig Wilhelm zur Residenzstadt und Sitz eines nach Versailler Vorbild erbauten Residenzschlosses. Architekt ist der Faneser Domenico Egidio Rossi, dem auch die neue Stadtplanung Rastatts zu verdanken ist. Nach dem Aussterben der baden-badischen Dynastie werden beide Landesteile 1771 vereinigt. Die Landesverwaltung wird nach Karlsruhe verlagert.

Das 19. Jahrhundert wird durch den wachsenden Verkehr, durch die beginnende Industrialisierung geprägt. Städte wie Bühl (Stadterhebung 1835) und Gaggenau (Stadterhebung 1922) gewinnen an Bedeutung. Vor allem durch das unerschöpfliche Vorkommen des Rohstoffes Holz und durch die zur Verfügung stehende Wasserkraft siedelt sich auch die papierverarbeitende Industrie im Murgtal an. Daneben entstehen zukunftsweisende Unternehmen wie Bergmann oder die Gaggenauer Eisenwerke, in dessen Fußstapfen später Mercedes-Benz bzw. DaimlerChrysler treten wird.

Mit automobilen Produktionsstandorten in Rastatt und Gaggenau, mit weltbekannten Zulieferern der Industrie in Bühl und Bühlertal und mit bedeutenden High-Tech-Unternehmen darf der Landkreis Rastatt heute für sich in Anspruch nehmen, eine Region mit hoher wirtschaftlicher Schlagkraft zu sein, die aber auch auf eine weit in die Vergangenheit reichende Tradition zurückblicken kann.

www.kreisgebiet-rastatt.de

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10.07.2009 Ötigheim